Vor lauter Wald sieht man den Ahorn nicht.

Sein Blatt ist Teil unseres Markenlogos: Im Teinachtal sind die Bedingungen für den Bergahorn perfekt. Förster Robert Roller erzählt, warum der Baum dennoch selten ist.

Wer heute durch den Gemeindewald Bad Teinach-Zavelstein wandert, ist vor allem von Kiefern umgeben, dazu kommen Weißtannen, Fichten und Buchen. „Das war nicht immer so“, erklärt der örtliche Förster Robert Roller.
Er gibt einen kurzen Einblick in die Forstgeschichte: Anfang des 18. Jahrhunderts wurde Holz knapp, es war zu viel gerodet worden. Zwischen 1750 und 1850 begann man mit der Aufforstung. Dabei wurde den Nadelhölzern der Vorzug gegeben, da sie schnell wachsen und damit auch schneller verkauft werden konnten.

„Über die Jahrzehnte zeigte sich aber, dass die entstandenen Monokulturen wenig resistent gegen Schädlinge und Sturmschäden sind“, erzählt Roller. „Inzwischen sind wir davon abgekommen, Bäume selbst zu pflanzen.
Wir warten lieber, was uns die Natur vorschlägt“, erklärt Roller.
„Diese sogenannte Naturverjüngung spielt sich meistens im Schatten der großen Bäume ab. Hier gefällt es vor allem den kleinen Buchen und Weißtannen, die in der Jugend mit wenig Licht auskommen.“

Revierförster Robert Roller unterwegs im Gemeindewald Bad Teinach-Zavelstein. Mit viel Sachkenntnis leitet er geführte Wanderungen.

Wissenswertes zum Ahornbaum.

Der Name Ahorn leitet sich aus dem Lateinischen ab: „Acer“ bedeutet „spitz“ oder „scharf“. Das bezieht sich auf die gezackten Blätter des Ahorns. Die Früchte sind bei Kindern als Nasenzwicker beliebt. Der Gattung Ahorn werden etwa 150 Arten zugeordnet, sie wächst hauptsächlich in Europa, Amerika und Ostasien. In Deutschland kommen drei Ahornarten natürlich vor: der Berg-, Spitz- und Feldahorn.
Am verbreitetsten ist der Bergahorn.

Der Ahorn ist ein typischer Baum des Mischwaldes. In deutschen Wäldern findet man ihn einzeln oder in kleinen Gruppen. Andere Ahornarten wurden als Park- und Alleenbäume künstlich angepflanzt. Ein traditioneller Volksglaube besagt, dass es Glück bringt, wenn man die Wurzeln eines Ahornbaumes mit Wein begießt. Dem Ahorn wurde auch die Kraft zugeschrieben, vor Hexen zu schützen. Am 24. Juni, dem Johannistag, steckte man beispielsweise Ahornzweige an Türen und Fenster des Hauses. Und: Seit 1992 ist das Ahornblatt Bestandteil des Teinacher Logos.

Das Wasser der Teinach bietet ideale Bedingungen für den Bergahorn.

Der Bergahorn liebt feuchte Füße.

Insgesamt umfasst der Stadtwald 760 Hektar, was etwa 30 Prozent der Gesamtfläche von Bad Teinach-Zavelstein entspricht. Mittendrin liegt das Teinachtal, aus dessen bis zu 500 Meter tiefen Quellen das Teinacher Mineralwasser stammt. Einer der dort natürlich vorkommenden Bäume ist der Bergahorn, die verbreitetste Ahornart in Deutschland (siehe Infokasten unten). Er mag es feucht und kühl, entsprechend findet man ihn vor allem an Bächen. Zusammen mit Bergulmen und Eschen bildet er sogenannte Schluchtwälder. Zugleich wächst er auch in großen Höhen, in den Alpen auf bis zu 2000 Metern.

Wo es Licht gibt, wächst er von ganz allein.

Der Bergahorn benötigt viel Wasser, bevorzugt fließendes Grundwasser mit reichlich Sauerstoff und vielen Nährstoffen. Schatten und Halbschatten verträgt er gut. Daher ist das Teinachtal eigentlich ein optimaler Standort für ihn. „Bedingt durch die großflächigen Rodungen findet man ihn allerdings nur noch vereinzelt im Stadtwald“, erklärt Förster Roller. „Momentan versuchen wir, ihn wieder an den Bachläufen heimisch zu machen“.

Dort wächst er von ganz allein, wenn man die Fichten auflockert und es etwas mehr Licht für ihn gibt. „Der Bergahorn ist eine wertvolle Mischbaumart“, ergänzt Roller. „Seine flachen, herzförmigen Wurzeln erschließen den Oberboden hervorragend.“ Deshalb ist er für ehemalige Sturmflächen bestens geeignet. Dort samt er sich selbst an oder wurde, beispielsweise nach Orkan Lothar, ganz gezielt angepflanzt.

Saubere Luft und süßer Sirup.

Anhand der Rinde des Bergahorns kann ein geübter Blick erkennen, wie sauber die Luft ist: Nur bei hoher Luftqualität siedeln sich dort empfindliche Flechten an. Und insbesondere im Frühjahr gibt es für Baumbesitzer eine weitere Art, den Bergahorn zu nutzen: Vergleichbar mit dem nordamerikanischen Zuckerahorn lässt sich auch beim Bergahorn Saft gewinnen – bis zu 50 Liter pro Baum. Allerdings liegt der Zuckergehalt nur bei einem bis drei Prozent. Erst durch Erhitzen wird der Saft zum köstlichen Ahornsirup eingedickt, der sowohl zu süßen Waffeln als auch zu Fleisch passt.

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